Was mit einer spontanen Idee begann, entwickelte sich in drei Jahren zu einem außergewöhnlichen Projekt gelebter Städtepartnerschaft. Auslöser war der Besuch des Bürgermeisters der französischen Partnerstadt Saint-James, David Juquin, der mit dem Fahrrad nach Erkelenz gekommen war. Dieser Besuch beeindruckte Bürgermeister Stephan Muckel nachhaltig. Schnell entstand der Gedanke, die Partnerstädte ebenfalls auf sportliche Weise zu besuchen – nicht mit dem Auto oder Flugzeug, sondern mit eigener Muskelkraft auf dem Fahrrad.

Ebenso schnell war auch der passende Tourguide gefunden. Ratsmitglied Klaus Füßer übernahm die Planung der Touren und kümmerte sich nicht nur um die Streckenführung, sondern auch um Hotels, Etappen, Pausen und die gesamte Organisation. Unterstützt wurden die beiden Radfahrer von Isabell Wyes Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Erkelenz, die mit dem Begleitfahrzeug unterwegs war und damit für Gepäcktransport, Sicherheit und Unterstützung sorgte.

Die erste Tour führte 2024 in die französische Partnerstadt Saint-James in der Normandie. Aus zeitlichen Gründen begann die Reise nicht direkt in Erkelenz, sondern in Calais. Von dort aus starteten Stephan Muckel und Klaus Füßer ihre Fahrt entlang der normannischen Küste. Insgesamt standen am Ende 564 Kilometer und 4380 Höhenmeter auf dem Tacho. Die Strecke führte durch beeindruckende Landschaften, vorbei an der rauen Küste des Ärmelkanals, kleinen Hafenorten und weiten Landschaften der Normandie. In Saint-James angekommen, wartete ein besonderer Anlass: Dort wurde das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Erkelenz waren mit Reisebussen angereist und sorgten gemeinsam mit den französischen Gastgebern für eine stimmungsvolle Feier. Der Empfang machte deutlich, welchen Stellenwert die Partnerschaft auf beiden Seiten besitzt.

Ein Jahr später stand die zweite Partnerschaftstour an. Ziel war diesmal Bad Windsheim in Bayern. Die Tour war ursprünglich als Sternfahrt geplant. Zwar konnte der Bürgermeister aus Thum aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen, dafür schloss sich der Bürgermeister aus Saint-James der Fahrt an und radelte gemeinsam mit der Erkelenzer Delegation Richtung Bayern. Auf der insgesamt 479 Kilometer langen Strecke mit rund 2350 Höhenmetern standen erneut nicht nur sportliche Leistungen im Vordergrund, sondern vor allem die Begegnungen mit Menschen und die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen. Besonders emotional wurde der Empfang in Bad Windsheim: Dort wurden die Radfahrer mit Musik und großem Empfang am Rathaus begrüßt. Viele Gespräche, gemeinsames Feiern und die herzliche Atmosphäre machten auch diese Tour zu einem besonderen Erlebnis.

Den Abschluss bildete 2026 die Fahrt in die Partnerstadt Thum im Erzgebirge. Diese Tour war gleichzeitig die längste und anspruchsvollste der drei Reisen. 643 Kilometer und rund 5250 Höhenmeter verlangten den Teilnehmern alles ab. Die Strecke führte durch Mittelgebirgslandschaften, lange Anstiege und anspruchsvolle Etappen. Doch die Strapazen wurden mit einem herzlichen Empfang belohnt. Bereits am Ortsschild wurden Stephan Muckel und Klaus Füßer vom Bürgermeister der Stadt Thum, Thomas Mauersberger begrüßt. Während des Aufenthalts standen mehrere gemeinsame Programmpunkte auf dem Plan. Besichtigt wurden unter anderem das neue Feuerwehrhaus sowie ein Bergwerk in der Region, das einen Einblick in die Geschichte des Erzbergbaus gab. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch in Oberwiesenthal, wo die Gruppe bei Skisprunglegende Jens Weißflog einkehrte und den Tag in geselliger Runde ausklingen ließ.

Rückblickend waren die drei Partnerschaftstouren weit mehr als sportliche Herausforderungen. Sie standen für gelebte Freundschaft, persönlichen Einsatz und den Gedanken, Städtepartnerschaften mit Leben zu füllen. Bürgermeister Stephan Muckel brachte die Idee auf den Weg, Klaus Füßer sorgte mit seiner Erfahrung als Tourguide für die Umsetzung, und Isabell Wyes unterstützte die Fahrten organisatorisch im Begleitfahrzeug. Gemeinsam entstand daraus ein Projekt, das in allen Partnerstädten Eindruck hinterließ.

Die Touren zeigten, dass Städtepartnerschaften nicht nur auf Urkunden und offiziellen Empfängen beruhen, sondern vor allem von Begegnungen, gemeinsamen Erlebnissen und persönlichem Engagement leben. Genau das machten diese drei Reisen auf besondere Weise sichtbar.