CDU besucht Eggerather Hof

„Der direkte Kontakt mit lokalen Unternehmen ist für eine bürgernahe Politik unverzichtbar", so Peter London, Vorsitzender des CDU Stadtverbandes Erkelenz, „die aktuellen politischen Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen stellen uns aber gerade in Holzweiler vor ganz besondere Herausforderungen". Im Rahmen der Themenwoche „Landwirtschaft" besuchte der CDU Stadtverband den Eggerather Hof bei Holzweiler. Als Gäste konnte Familie Schmitz neben zahlreichen CDU Rats- und Kreistagskandidaten auch den Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen und die Europaabgeordnete Sabine Verheyen begrüßen.

Als Ältester von drei Feldhöfen nahe Holzweiler wurde der Eggerather Hof im Jahr 1197 erstmals urkundlich erwähnt. Die wasserumwehrte Hofanlage ist auf das Jahr 1754 zurück-zuführen. Vermutlich stellte der Hof bis in die frühe Neuzeit eine Siedlung mit mehreren Höfen dar und war lange im Besitz von adeligen Familien, wie Lerodt, Tüschenbroich oder Wickrath.

Seit 300 Jahren, zunächst als Pächter und nun mehr seit 200 Jahren in Eigenbesitz, betreibt die Familie Schmitz den Eggerather Hof. Rolf Schmitz hat den Betrieb 1972 von seinem Vater übernommen, 2009 stieg auch sein Sohn Stephan Schmitz in den elterlichen Betrieb ein. „Wir haben uns auf den Anbau von Kartoffeln zur Fritten Herstellung spezialisiert und in diesen Bereich seit 2009 viel investiert", sagte Stephan Schmitz, „eine computergesteuerte Lagerung mit der man die richtigen Temperaturen zur richtigen Zeit erzielen kann, ist für eine gute Kartoffelqualität entscheidend". Mit Hilfe einer hochmodernen Lagerhalle ist auf dem Eggerather Hof eine ganzjährige Lagerung der Kartoffelernte möglich. „In der Erkelenzer Börde haben wir den besten Boden Europas", so Schmitz weiter, „unsere schweren Löß/Lehm Böden sind die Letzten dieser Art im Rheinland. Nur hier ist eine lange Kartoffellagerung problemlos möglich".

Neben der neuen Lagerhalle hat die Familie auch in weitere Teile des Hofes investiert. „Ein alter Hof kann nur wirtschaftlich geführt werden, wenn man ihn systematisch saniert", erklärte Stephan Schmitz, „dabei war es uns wichtig, dass der Ursprung des denkmalgeschützten Hofes erhalten bleibt. Heute können wir alle Gebäude sinnvoll nutzen". Als klassischer Ackerbaubetrieb werden neben Kartoffeln auch Weizen, Zuckerrüben und Speisemöhren angebaut. Photovoltaikanlagen sind zudem weitere Investitionsmaßnahmen, die im Jahr ca. 900 kwh Strom erzeugen. Abgerundet wird das Angebot des Eggerather Hofes durch den Weihnachtsbaumverkauf.

Ein ganz besonderes Schulprojekt mit dem Namen „GemüseAckerdemie" hat der älteste Sohn Christoph Schmitz ins Leben gerufen. Die Idee zu diesem Bildungsprogramm entwickelte er 2012 infolge eines Schulklassenbesuches auf dem Eggerather Hof und seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Auswirkungen von Nahrungsmittelverschwendung und Fehlernährung. „Als gemeinnützige Organisation hat sich die Ackerdemia zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein sowohl zur Nahrungsmittelproduktion als auch zu gesunder und wertschätzender Ernährung in der Gesellschaft zu stärken", sagte Dorothee Kückmann-Kemper, Standortleiterin in Nordrhein-Westfalen. „Unser aktuelles Hauptprojekt ist die GemüseAckerdemie, hier lernen die Schülerinnen und Schüler den Gemüseanbau sowie die Vermarktung der Ernte kennen. Unterstützt werden sie dabei von Schulen sowie ortsansässigen Landwirten und Organisationen". Seit dem erfolgreichen Start des Pilotprojektes im Sommer 2013 feilt das Gründerteam nun intensiv am Vorhaben und freut sich über jede Schule, die sie dabei begleiten möchte.

„Kinder und Jugendliche wissen immer weniger über natürliche Nahrungsmittel-produktion und deren Mechanismen", sagte Sabine Verheyen, Europaabgeordnete für den Bezirk Aachen, „mit eigenmotivierten und ganzheitlichen Projekten, die landwirtschaftliches Wissen und soziale Kompetenzen nachhaltig vermitteln, kann man diesem Trend entgegenwirken". Das Projekt hat inzwischen nicht nur verschiedene Gründerpreise gewonnen, sondern kann sich vor Allem über umfangreiche Fördergelder aus der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Wirtschaft & Energie freuen.

Leider konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Betriebsbesichtigung aber nicht nur über die eindrucksvollen wirtschaftlichen Entwicklungen des Eggerather Hofes informieren. Das zurzeit schwerwiegendste Kapitel des Ortes Holzweiler, der nahende Braunkohlentagebau und die neueste Entwicklung durch die Entscheidungen der Landesregierung, waren natürlich ebenfalls allgegenwärtig. Das zukunftsträchtige Unternehmen der Familie Schmitz befindet sich direkt an der späteren Abbaukante des Braunkohletagebaus Garzweiler II. „Wie hält man Holzweiler langfristig lebensfähig?", fragte Stephan Schmitz, „die Umsiedlung hing immer wie ein Damoklesschwert über uns, jetzt können wir zwar wieder hoffen, stehen aber durch die Entscheidung der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung auch vor ganz neuen Herausforderungen".

Entgegen jahrzehntelanger Planungen hatte die Rot-Grüne Landesregierung Anfang 2014 verkündet, dass Holzweiler nun doch nicht mehr umgesiedelt werden solle, die Zukunft des Eggerather Hofes wäre damit aber trotzdem noch lange nicht gesichert. „Ob unser Hof dem Tagebau doch noch weichen muss oder nicht, wird jetzt erst in jahrelangen Verhandlungen geklärt", so Schmitz weiter, „in jedem Fall leiden die Landwirte unter dem Flächenverlust. Hinzu kommen Straßen- und Wegebau, Wasserleitungen und Brunnen, die die verbleibenden Flächen beeinträchtigen. Eine wirtschaftlich sinnvolle Fortführung unseres Unternehmens steht daher noch auf einem ganz anderen Blatt".

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen zeigte Verständnis für die schwierige Situation.
„Das plötzliche Umschwenken der Landesregierung hat viele Betroffene verunsichert und zahlreiche neue Probleme geschaffen", sagte Jansen, „Nur in NRW gibt es bis heute noch keine klaren Regelungen für die nachhaltigen Auswirkungen eines Tagebaus, jeder Kiesgruben-betreiber hat mehr Planungssicherheit als die von Garzweiler II betroffenen Bürgerinnen & Bürger".

Die endgültige Leitentscheidung möchte die Landesregierung jetzt bis 2015 erarbeiten. „Hier verlangen wir in Erkelenz auch klare Aussagen zur Sicherheitslinie, die einen möglichst großen Abstand von den Orten und dem Eggerather Hof festlegen sollte!", so Jansen abschließend.