SPD und Grüne wollen Gesamtschule um jeden Preis
BÜRGERNAH: Wie hat sich der Schulstandort Erkelenz entwickelt?

Hans-Josef Paffen: Die weiterführenden Erkelenzer Schulen haben sich kontinuierlich entwickelt und immer besser aufeinander abgestimmt. Heute bleiben keine Wünsche unerfüllt. Die enge Kooperation der Schulen untereinander ermöglicht nicht nur eine hohe Durchlässigkeit (Wechsel zwischen den Schulformen). In Erkelenz können alle Abschlüsse erreicht, das Abitur in 8 (G8) oder 9 (G9) Jahren absolviert, der gebundene oder offene Ganztag genutzt, sowie bilingualer Unterricht angeboten werden. Dass unser Erkelenzer Schulsystem auch hervorragend angenommen wird, zeigt die hohe Nachfrage aus dem gesamten Kreisgebiet. Die Stadt musste sogar die Zügigkeit (Anzahl der Klassen) beschränken, da eine unbegrenzte Aufnahme von Schülerinnen und Schüler aus anderen Städten finanziell nicht möglich ist.

BÜRGERNAH: Von SPD und Grünen wird immer wieder die Gründung einer Gesamtschule gefordert. Braucht Erkelenz eine solche Schulform wirklich?

Hans-Josef Paffen: Ganz klar: Nein! Meiner Meinung nach fordern SPD und Grüne die Gesamtschule aus rein ideologischen Gründen, sie wollen diese Schulform um jeden Preis. Hier wird unverantwortliches Handeln besonders deutlich. Allen Ratsfraktionen ist bekannt das sich die Stadt keinen Schulneubau, neben dem bestehen System, leisten kann, dafür fehlt nicht nur das Geld, es gibt auch nicht genügend Schülerinnen und Schüler. Folglich käme nur eine Zerschlagung der bestehenden Schulformen in Frage. Warum aber ein gut funktionierendes Schulsystem ohne Not opfern? Sämtliche Fachleute raten uns, unter diesen Umständen, von der Einrichtung einer Gesamtschule in Erkelenz ab.

BÜRGERNAH: Welche Auswirkungen hätte eine Erkelenzer Gesamtschule auf die bestehenden Schulen?

Hans-Josef Paffen: Wenn eine Gesamtschule nach Erkelenz käme, müsste mind. die Gemeinschaftshauptschule und das Cornelius-Burgh Gymnasium schließen. Dies wäre ein massiver Eingriff in das sensibel aufeinander abgestimmte Schulsystem. Zahlreiche Angebote, die gerade wegen der Erkelenzer Schulvielfalt möglich sind, wie z.B. bilingualer Unterricht, Arbeitsgemeinschaften, oder verschiedene Leistungskurse, könnten von den verbleibenden Schulen nicht mehr umgesetzt werden. Außerdem wären auch die umliegenden Gesamtschulen in Wassenberg und Ratheim betroffen. Der gesetzlich vorgeschriebene „Drittelmix" bei der Aufnahme von Schülerinnen und Schülern an einer Gesamtschule (1/3 Grundschüler mit Hauptschul-, 1/3 mit Realschul- und 1/3 mit Gymnasialempfehlung) führt dazu, dass zwischen den Gesamtschulen ein regelrechter Wettkampf um Schüler mit Gymnasialempfehlung stattfinden würde. Mit Blick auf den demografischen Wandel wäre es daher sehr wahrscheinlich, dass langfristig mind. eine der dann drei Gesamtschulen im Nordkreis wieder schließen müsste. Was geschähe zudem mit den, von den Gesamtschulen, abgelehnten Grundschülern mit Haupt-, oder Realschulempfehlung? Darüber machen sich SPD und Grüne überhaupt keine Gedanken.

BÜRGERNAH: Warum lehnt die CDU eine Elternbefragung über den „Bedarf" einer Gesamtschule ab?

Hans-Josef Paffen: Als demokratische Partei sind für uns Bürger- oder Elternbefragungen selbstverständlich. Sie finden zu jedem politischen Thema in den unterschiedlichsten Bereichen statt. Vor Allem unsere direkt gewählten Ratsvertreter pflegen einen engen Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern in ihren Wahlbezirken. Eine Elternbefragung kann aber nicht über den „Bedarf" einer Gesamtschule entscheiden. Der „Bedarf" ermittelt sich laut nordrhein-westfälischem Schulgesetz über die Anmeldezahlen, also über die Akzeptanz einer bestehenden Schule bei Eltern und Schülern. Nur wenn diese Entwicklung einen negativen Verlauf nimmt, gäbe es für die Stadt einen Handlungsbedarf (z.B. über die Einführung einer anderen Schulform nachzudenken). Sollte dieser Fall eintreten, schreibt das Gesetz sogar eine zwingende Beteiligung der Eltern am Lösungsprozess vor. In dieser Situation befinden wir uns in Erkelenz aber definitiv nicht. Unser Schulsystem funktioniert hervorragend und wird sogar überdurchschnittlich angenommen. Aus unserer Sicht gibt es daher zurzeit keinen Handlungsbedarf.

BÜRGERNAH: Wie steht die CDU zum angekündigten Bürgerbegehren?

Hans-Josef Paffen: Jeder Bürger hat das Recht sich für seine Interessen zu engagieren. Die "Elterninitiative Gesamtschule für Erkelenz (EGE)" ist aber ganz klar aus parteipolitischen Gründen entstanden. Die Gründer kommen aus den Reihen von SPD und Grünen und wollen ihren Willen nun auf einem anderen Weg umsetzen. Mit gezielten Fehlinformationen versucht man besorgte Eltern für dieses Projekt zu gewinnen. Dieses Vorgehen ist Verantwortungslos! Es führt nicht nur zu Unsicherheit, Verwirrung und Chaos bei den Eltern, es schadet vor Allem den Schülerinnen und Schülern. Statt unsere guten Schulen ständig schlecht zu reden, sollte man unserer Jugend lieber die Sicherheit und Kontinuität ermöglichen, die für eine immer anspruchsvollere Ausbildung notwendig ist. Wir werden mit sachlichen, transparenten Informationen Aufklären und uns ohne einen konkreten „Handlungsbedarf" auch weiterhin gegen die Einführung einer Gesamtschule in Erkelenz stellen.